Bild: TITV
Anmerkung der Redaktion: Hierbei handelt es sich lediglich um einen Auszug. Den vollständigen Beitrag finden Sie in der SIP-Ausgabe 3_2026 auf Seite 44 bis 49.
Lesedauer: circa 4 Minuten
„Ohne Chemikalien keine Textilien“ – so lautet der Titel eines Beitrags des Bundesinstituts für Risikobewertung aus dem Jahr 2020. Die Aussage bringt eine grundlegende Realität der Textilproduktion auf den Punkt: Entlang der gesamten Prozesskette kommen textile Materialien mit einer Vielzahl chemischer Substanzen in Kontakt. Diese reichen von Reinigungs- und Bleichmitteln über Farb- und Druckchemikalien bis hin zu Ausrüstungsstoffen, die gezielt Eigenschaften wie Wasserabweisung, Atmungsaktivität oder Knitterarmut erzeugen. Zugleich ist bekannt, dass ein Teil dieser eingesetzten Substanzen ökologische und gesundheitliche Risiken birgt. Rückstände können in Gewässer gelangen oder potenziell die Hautverträglichkeit beeinträchtigen. Vor diesem Hintergrund besteht ein breiter Konsens darüber, dass der Einsatz
chemischer Mittel auf das notwendige Maß reduziert und – wo technisch möglich – durch weniger belastende Alternativen ersetzt werden sollte.
In der praktischen Umsetzung erweist sich dieses Ziel jedoch als anspruchsvoll. Die eingangs zitierte Feststellung hat auch Jahre später nichts an Gültigkeit verloren. Chemikalien erfüllen in der Textilverarbeitung essenzielle Funktionen, die bislang nicht vollständig substituiert werden können. Parallel dazu stellen weitere Faktoren wie der hohe Energie- und Wasserverbrauch weiterhin zentrale Herausforderungen dar. „Jede Wäsche und jeder Spülprozess führt zu Abwasser und erfordert im Nachgang Energie in Form von Trocknung“, erläutert Dr. Andrea Preuß, Gruppenleiterin Veredlung am TITV Greiz. Auch Dipl.-Ing. Joachim Rees, Geschäftsführer von Multi-Plot Europe, betont: „Die größten Umweltbelastungen entstehen nach wie vor in den klassischen Nassprozessen wie Vorbehandlung, Färbung sowie Wasch- und Spülprozessen. Hier fallen hohe Mengen an Wasser, Energie für das Aufheizen sowie Chemikalien an.“ Besonders ins
Gewicht fallen dabei die Abwasserfrachten sowie der energieintensive Trocknungsprozess. Aber es gibt auch Grund zur Hoffnung: Die Forschung schreitet immer weiter voran, und es wird kontinuierlich an umweltfreundlicheren Alternativen gearbeitet.
Im eigenen Unternehmen
Doch nicht immer sind tiefgreifende Umstellungen in der Produktion erforderlich, um nachhaltiger zu wirtschaften. Um Wasser und Energie entlang der gesamten textilen Wertschöpfungskette einzusparen, können Unternehmen zunächst die Notwendigkeit ihrer eigenen Prozesse kritisch hinterfragen. Bereits eine Reduktion von Waschgängen, effizientere Rezepturen und geschlossene Wasserkreisläufe führen laut Joachim Rees zu erheblichen Einsparungen. „Letztlich geht es darum, Prozesse grundsätzlich schlanker und effizienter zu gestalten. Die größten Hebel liegen in der Reduktion von Prozessschritten und Flottenvolumen“, so der Multi-Plot-Geschäftsführer.
Andrea Preuß sieht die Verantwortung jedoch nicht ausschließlich bei den Unternehmen: „Firmen müssen bei dieser Optimierung begleitet und unterstützt werden – sowohl von uns als Institut als auch von der Politik. Jeder Liter sauberes Wasser, jedes eingesparte Kilogramm CO2 sollte seitens der Politik in Richtung der KMU und anderen Unternehmen wertgeschätzt werden.“ Konkret können beispielsweise Ultraschall-Sonotroden den Waschprozess unterstützen. Dabei handelt es sich um spezielle Werkzeuge, die Ultraschall direkt in die Reinigungsflüssigkeit übertragen. Dies sorgt für eine intensivere Reinigung und reduziert zugleich die Abwassermenge. „Im Falle der Vorbehandlung geht es vermehrt darum, Auflagerungen zu entfernen – entweder mit reinem Wasser oder unter Einsatz von Waschmitteln oder Chemikalien. Dies ließe sich reduzieren, wenn die Prozesse transparenter wären und gezielt untersucht würde, ob die Auflagerungen den nachgeschalteten Prozess, etwa die Färbung, überhaupt beeinflussen“, erläutert Andrea Preuß
weiter. Mithilfe sogenannter Vakuumsaugbalken lässt sich zudem die Restfeuchte im Textil deutlich reduzieren. Dadurch sinkt der Energiebedarf für die Trocknung, was wiederum Kosten einspart.
Sina Eilers

